Mittwoch, November 26, 2008

Facebook klagt 675 Millionen Euro von Spammer ein

Ein kanadischer Spam-Versender muss Facebook 675 Millionen Euro Schadensersatz zahlen, weil er angeblich über gekaperte Mitgliederkonten Werbepost verschickt hat. Außerdem im Nachrichtenüberblick: Buchhändler verlangen Netzsperren für Raubkopierer und Microsoft untersucht die Cyberchondrie.

Facebook ist ein mächtiger Schlag gegen Spammer gelungen: Ein kalifornisches Gericht verurteilte einen kanadischen Mann samt seiner Firma Atlantis Blue Capital zu einer Entschädigungszahlung von umgerechnet 675 Millionen Euro an das Internet-Unternehmen aus Palo Alto. Dem Mann wird laut "LA Times"-Blog zur Last gelegt, Zugangsdaten von Nutzern des sozialen Netzwerks ergaunert zu haben, um über deren Profile seine Spam-Nachrichten millionenfach abzusetzen. Der Beschuldigte erschien nicht zur Verhandlung.

Facebook feiert die Verurteilung, bleibt aber realistisch: Von den vielen Entschädigungsmillionen wird das Internet-Unternehmen nur wenig sehen. Trotzdem stelle die immense Summe ein "mächtiges Abschreckungsmittel" dar, immerhin ist es die größte Entschädigungszahlung, die anhand des CAN-SPAM-Gesetzes (Controlling the Assault of Non-Solicited Pornography and Marketing Act) einem Unternehmen zugesprochen wurde.

Dieses Urteil ist nicht die erste Mega-Schlappe für Spammer. Erst im Mai dieses Jahres verurteilte ein US-Bundesgericht zwei der prominentesten Spam-Versender Amerikas zu der - damaligen - Rekordsumme von 149 Millionen Euro.

Microsoft untersucht Wurzeln der Cyberchondrie

Ein bisschen Kopfweh, ein bisschen Schwindel, das Pulsieren im kleinen Finger - die Google-Diagnose ist klar: Hirntumor. Wer Doktor Google bei der Diagnose von Krankheiten vertraut, sich mit jedem Klick kranker und kranker fühlt, der leidet vielleicht an Cyberchondrie, der elektrischen Schwester der Hypochondrie.

Microsoft hat sich des Problems angenommen und nun am Montag eine Studie zur Metakrankheit veröffentlicht. Die Forscher untersuchten Internet-Suchanfragen zum Thema Gesundheit und befragten Microsoft-Angestellte. Ein Ergebnis: Die Selbstdiagnose im Netz führt unweigerlich zum (imaginierten) Qualtod. Wer nach seinen Symptomen googelt, dessen Ängste eskalieren, dessen Suchanfragen verschärfen sich, der wird auch nach der Web-Suche noch von Ängsten um seine Gesundheit geplagt.

Die Microsoft-Forscher versuchen anhand ihrer Untersuchungsergebnisse nun, Suchmaschinen zu optimieren, die besser auf die Bedürfnisse ihrer kränkelnden Nutzer eingehen - zum Beispiel, indem sie angemessene Diagnosen für angemessene Krankheiten geben. Fieber statt Tumor, Kater statt Phantasien vom dräuenden Lebensende.

Chaos aus dem Zufallslaser

Große Sicherheit kommt mit großem Chaos - das weiß jeder, der auf seinem unaufgeräumten Schreibtisch einmal nach seiner Kreditkarte suchte. Sicherheitsexperten schätzen schon seit langem die verschlüsselnde Kraft der Zufallszahl. Allein: Wie generiert man große, sehr große Mengen von Zufallszahlen?
Bisher mussten Verschlüsselungsalgorithmen auf Pseudozufallsgeneratoren zurückgreifen, die Zahlen ausgaben, die zufällig "aussahen", aber es eben nicht sind. Ein Einfallstor für Angreifer. Ars Technica erklärt, wie es besser geht: Mit chaotischen Laser-Oszillatoren. Einem Forscher gelang es mit derartig zitterndem Licht, einen "zufälligen" Strang von Nullen und Einsen zu generieren, 1,7 GB pro Sekunde; eine Größenordnung über dem, was andere, echte Zufallsgeneratoren bislang zu erwürfeln fähig sind.

Bücherhändler für ein "zivilisiertes Internet"

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels freut sich über die Ablehnung eines Antrags der Bundestagsfraktion der Grünen. Die wollten bei den anstehenden Verhandlungen zu Richtlinien im Bereich Telekommunikation im Rat der Europäischen Union Urheberrechtsfragen ausschließen. Damit sollte der Versuch vereitelt werden, das französische Modell der "abgestuften Antwort" über eine EU-Richtlinie einzuführen. Dieser Three-Strikes-Ansatz kappt Filesharern nach drei Warnungen den Internet-Zugang.

Mit der Ablehnung des Grünen-Antrags, so Alexander Skipis, der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, sei nun der Weg frei für ein "zivilisiertes Internet". Dabei ginge es gar nicht um die Kriminalisierung von Internet-Nutzern. Im Gegenteil, mit dem Three-Strikes-Ansatz verhindere man sogar diese Kriminalisierung. Heise.de nimmt dieses Argument auseinander: Entkriminalisierung nur über eine Herausnahme der Strafbarkeit von Up- und Download. Skipis zu Heise: Nicht mit uns.

Verlag verdoppelt digitalen Buchkatalog

Während sich der Börsenverein der Deutschen Buchhändler gegen ein freies Internet stemmt, nutzt der amerikanische Buchverlag Random House die explodierenden Verkaufszahlen von eBooks und verdoppelt seinen Katalog digitaler Bücher. Statt bislang 8000 werde man innerhalb der nächsten Monate 15.000 Bücher zum Download anbieten.

Auch wenn der Markt für elektronische Bücher laut Random-House-Vizepräsident Matt Shatz "im dreistelligen Prozentbereich" gewachsen sei - wohl vor allem wegen des erfolgreichen Amazon-eBook-Readers Kindle - macht der elektronische Verkauf von Büchern höchstens ein Prozent des gesamten Buchmarktes aus.

Apropos: Produkte, die die Welt nicht braucht

Leider gibt es bisher nicht die Möglichkeit, Kindern direkt nach der Geburt ein Mobiltelefon in den Kiefer zu implantieren. Folglich muss man ein paar Jahre warten, bis man den Nachwuchs "always on" bekommt. Immerhin verschiebt das "Mo 1", das ein spanischer Spielzeugentwickler jetzt in Tokio vorstellte, das Einstiegsalter merklich nach unten.

Denn das knallbunte Handy ist ganz und gar auf die Fähigkeiten wie Limitierungen von Kleinkindern abgestimmt. Es solle, meint der Hersteller, die Kommunikation zwischen Kindern und Eltern erleichtern.

Kleiner Tipp: Kleinkinder brauchen kein Handy, sondern eine Hand. Es gibt Technik, die sollte man sich sparen.


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